Die Flut, die Gutes tut
Auf einer der größten noch aktiven Wässergemeinschaften Frankens kann man im Sommer gut die traditionelle Praktik des Wässerns der Wiesen beobachten. Während der Wässerung tummeln sich hier auch gerne viele Störche und Wasservögel. Die traditionelle Praktik wurde von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit ernannt.
Die Wiesen im Rednitzgrund werden von den Landwirten mit Wasser aus der Rednitz bewässert, ein altes überliefertes Recht. Die Wässergemeinschaft „Im Unteren Grund“ ist die größte bewässerte Wiesenfläche im Rednitztal und eine der ältesten mit einem „Wässerbrief“ versehenen Gemeinschaften.
Die Geschichte der Wässergemeinschaft
Der Wässerbrief von 1547 regelte die Rechte und Pflichten aller Beteiligten. Die Wässergemeinschaft hat einen „Wässerer“, der sich um die Zuführung des Rednitzwassers und seine gerechte Verteilung kümmert. Dieser Prozess findet jedes Jahr von April bis September statt.
Die Bedeutung der Bewässerung
Ohne die Bewässerung würden die Wiesen im Sommer zu braunen Trockenwiesen. Die Landwirte können durch die Bewässerung 4 bis 5 Grasschnitte erzielen, die sie für ihre Viehhaltung dringend brauchen. Die Wässerung der Wiesen verbessert auch das Mikroklima, die Speisung des Grundwasserspiegels und die Naherholungsfunktion.
Herausforderungen und Konflikte
Es gibt jedoch auch Herausforderungen und Konflikte. Die Wiesen können während der Bewässerung unter Wasser stehen, was nicht jeder Besucher als erfreuliche Erfrischung sieht. Es gibt auch Probleme mit Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner frei über die Wiesen laufen lassen, und mit Besuchern, die abseits der Wege durch die Wiesen laufen und Trampelpfade schaffen.
Daher die Bitte an alle Besucher: Halten Sie sich auf den ausgewiesenen Wegen (vor allem während der Vegetationsperiode April bis Oktober), entsorgen Sie die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Begleiter ordnungsgemäß und animieren Sie auch andere Besucher, mit diesen Flächen pfleglich umzugehen.
Fränkische Wässerwiesen
Ein lebendiges Kulturerbe
Im fränkischen Raum zwischen Schwabach und Forchheim gibt es noch viele traditionell bewirtschaftete Wässerwiesen. Diese Gebiete zählen zu den besterhaltenen Bewässerungsgebieten in Europa. In anderen Regionen wurde diese Technik durch die Industrialisierung verdrängt.
Ein gemeinsames Erbe
Um die Bedeutung dieser alten Kulturtechnik zu stärken, haben sich mehrere Wässerorganisationen zusammengeschlossen und einen Antrag auf Anerkennung als Bayerisches Kulturerbe gestellt. 2020 wurden die „Wässerwiesen in Franken“ in die Bayerische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, gefolgt von der Aufnahme in die Bundesweite Liste 2021. Zwei Jahre später trug die UNESCO die traditionelle Bewässerung in die weltweite Liste des Immateriellen Kulturerbes ein.
Ein gemeinsamer Schatz
Der Prozess der internationalen Bewerbung war geprägt von einem regen Austausch zwischen den lokalen Trägerschaften in Europa. Dies stärkte das Bewusstsein für diesen gemeinsamen kulturellen Schatz, den es zu bewahren gilt. Die traditionelle Bewässerung hatte nicht nur in der Vergangenheit eine existenzielle Bedeutung, sie kann heute zur Lösung von gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen beitragen, wie zum Beispiel zum Hochwasserschutz, zum Klimaschutz, zum Landschaftswasserhaushalt und zum Schutz der Biodiversität.
Ein lebendiges Erbe
Die traditionelle Bewässerung basiert auf einem umfassenden Verständnis der Landschaft, des Wasserflusses und der Wetterbedingungen. Dieses Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben und wird von Wässergemeinschaften nach traditionellen Regeln und Techniken über Grabensysteme und Wehre durchgeführt. Dabei spielten früher in manchen Bereichen auch saisonal betriebene Wasserschöpfräder, die von der Strömung angetrieben werden, ebenso eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu Baudenkmälern ist immaterielles Kulturerbe lebendig – es prägt unsere Identität und lebt vom sozialen Zusammenhalt.
Ein Beispiel für den Zusammenhang zwischen Kultur und Natur
Die erfolgreiche Wiederansiedlung von Störchen verdeutlicht den Zusammenhang zwischen landwirtschaftlicher Kulturtechnik und Natur. Die Fränkischen Wässerwiesen sind ein lebendiges Kulturerbe, das unsere Identität prägt und zum Schutz der Umwelt beiträgt.
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